Wo liegen die Risiken einer Bauchdeckenstraffung?
Wundheilungsstörungen
Die Risiken sind umso
größer, je kräftiger die operierte Person ist. Gerade Diabetiker haben
eine schlechtere Durchblutung der Bauchhaut, weil viele kleine
Blutgefäße auf der Kapillarebene entweder verkalkt oder ganz
verschlossen sind. Zudem weist das Fettgewebe ohnehin eine relativ
schlechte Durchblutung auf. Dies führt, zusammengenommen leider recht
häufig dazu, dass besonders kräftige Menschen viel häufiger an
Wundheilungsstörungen der Bauchhaut leiden.
Wundheilungsstörungen
können jedoch auch entstehen durch grobes, „schnelles" Operieren, bei
dem das Gewebe mit weniger Respekt behandelt wird. Dadurch entstehen oft
umschriebene Durchblutungsstörungen im Gewebe, die bis zum örtlichen
Absterben desselben führen können. Aber keine Angst, in der Plastischen
Chirurgie haben ausgebildete Fachärzte sehr wohl das schonende Operieren
gut erlernt. Viel häufiger findet man solche Probleme bei ärztlichen
Disziplinen anderer Fachgebiete, wenn sie solche Operationen
durchführen.
Wundheilungsstörungen treten auch umso häufiger auf, je straffer
der Operateur versucht, die Bauchhaut anzuspannen. Dabei werden die
Blutgefäße mit zunehmender Spannung immer dünner - ähnlich wie ein
Gartenschlauch, an dem man fest zieht - bis am Ende kaum noch Blut
hindurchfließen kann, was zu umschriebenen Durchblutungsstörungen und
damit auch zum fleckförmigen Absterben des betroffenen Gewebes führen
kann. Dies tritt am häufigsten in der Mittellinie auf, wo auch die
Hautspannung naturgemäß am stärksten ist.
Fehlverhalten der operierten Patienten ist eine der häufigsten
Ursachen einer Wundheilungsstörung. Gerade weil eine
Bauchdeckenstraffung fast nicht schmerzt, vernachlässigen viele
Patienten immer wieder die Ratschläge ihres Arztes, anfangs (in den
ersten 3 Wochen) in leicht gebeugter Haltung zu bleiben und zu gehen,
damit sich die Haut an die neuen Spannungsverhältnisse nach OP gewöhnen
kann. Manchmal sind Patienten anfangs sogar stolz darauf, was sie schon
alles können ... bis es schief geht.
Bauchdecken nach starker Gewichtsabnahme sind erfahrungsgemäß
besonders gefährdet für Wundheilungsstörungen. Der genaue medizinische
Grund ist leider nicht bekannt.
Tritt eine Wundheilungsstörung erst einmal auf, dann ist
natürlich nicht die Welt schon untergegangen, aber es benötigt viel mehr
Einsatz seitens des Patienten und des Arztes und möglicherweise eine
kleine Folgeoperation (meist ambulant in örtlicher Betäubung) nach ca.
1,5-2 Jahren, um die daraus resultierende, größere Narbe zu korrigieren
und wieder fein zu vernähen.
Taubheitsgefühl der Bauchhaut
Bei der
Bauchdeckenstraffung muss die Bauchhaut mit darunter befindlicher
Fettgewebsschicht von der muskulären Bauchdecke großflächig abgelöst
werden. Da jedoch gerade in diesem Bereich, vorwiegend um den Bauchnabel
herum, viele feine Blut- und Nervenbahnen senkrecht aus der muskulären
Bauchdecke in die Bauchhaut einmünden, müssen diese zwangsläufig
durchtrennt werden, anders kann man die Bauchdecke nicht ablösen.
Hierdurch kommt es, abhängig von der durchtrennten Anzahl der
durchdringenden Nervenbahnen, zu einem bleibenden Taubheitsgefühl der
Bauchhaut, vorwiegend im Unterbauch, oft bis zum Nabel hinauf.
Das
ist für sich alleine nicht schlimm und man gewöhnt sich schnell daran.
Wenn man jedoch auf die Bauchdeckenstraffung verzichten und statt dessen
eine Fettabsaugung des Bauches durchführen kann, dann muss man nicht
auf die Sensibilität der Bauchhaut verzichten, dann bleibt alles, wie es
ist. Daher zählt die Fettabsaugung auch als deutlich schonendere
Operationsmethode.
Hauttüten an den Narbenenden
Wenn man die
Bauchnarbe möglichst kurz halten will, muss man manchmal kleine
Kompromisse eingehen. An den Narbenenden rechts und links können kleine
Hauttütchen entstehen, die sich meist im Laufe der Zeit verziehen.
Dadurch spart man Narbenstrecke ein. Nach 1 1/2 Jahren wird die
Situation neu beurteilt. Sollten kleine Resttüten dann noch vorhanden
sein, können sie ambulant und in örtlicher Betäubung mit viel kürzeren
Narben als bei der Hauptoperation leicht nachkorrigiert werden.
Grundsätzlich gilt auch hierbei, dass kräftigere Patienten eher mit Hauttüten -Resten rechnen müssen als schlanke.
Lungenentzündung (Pneumonie) nach der Operation
Ein
nicht zu vernachlässigendes Risiko nach Bauchdeckenstraffungen stellt
die sogenannte Basale Pneumonie dar. Der Mechanismus ist relativ einfach
zu verstehen: Durch die innere Straffung der muskulären Bauchdecke
erhöht sich zwangsläufig der Druck innerhalb der Bauchhöhle und versucht
dahin zu entweichen, wo die größten Schwachstellen liegen. Das sind die
unteren (basalen) Teile der Lunge. Die betroffenen Patienten atmen
wegen der erhöhten Spannung unter Umständen nicht mehr tief genug ein,
die unteren Lungenanteile werden nicht mehr richtig belüftet und die
Lungenentzündung kann sich dort entwickeln.
Betroffen von diesem
Risiko sind vor allem eher ältere Personen mit Bauchdeckenstraffung,
aber auch kräftige Menschen, bei denen durch zu große Fettdepots
innerhalb des Bauchraums der Druck zu groß sein kann.
Der Plastische
Chirurg sollte dies erkennen und seine Patienten entweder zur weiteren
Gewichtsreduktion auffordern oder - wenn dies nicht möglich ist - auf
eine allzu starke Straffung der muskulären Bauchdecke verzichten.
Serombildung
Nach der Operation - wie bereits
erwähnt, treten meist kaum Schmerzen auf - ist die Aktivität vieler
Patientinnen und Patienten kaum zu bremsen, weil sie sich an den (nicht
vorhandenen) Schmerzen orientieren. „Keine Schmerzen" heißt leider für
viele „mehr Aktivität erlaubt". Doch das ist ein Trugschluss. Durch die
Bewegungen des Rumpfes kommt es zu Reibe- und Scherbewegungen zwischen
Bauchdeckenhaut und Bauchdeckenmuskulatur. Dieses Reiben zwischen den
beiden recht großen, inneren Wundflächen führt zur Gewebereizung und
damit auch zur reaktiven Bildung eines Reizergusses aus Gewebswasser,
Serum. Einschränkung der Aktivität reduziert dieses Risiko deutlich.
Zu
große Serome sollten steril punktiert werden. Dabei können schon mal
Mengen bis 200 ml zusammenkommen. Daher: Konsequente Schonung und
Selbstkontrolle nach der OP ist eine Grundvoraussetzung für die
ungestörte Wundheilung nach Bauchdeckenstraffung.
Wann kommen Patientinnen und Patienten zur Bauchdeckenstraffung?
Was kann der Plastische und Ästhetische Chirurg für diese Patienten tun?