Welche Formen des Facelifting gibt es?
Die Palette eines gut ausgebildeten Plastischen und Ästhetischen
Chirurgen ist groß. Es führen viele verschiedene Wege nach Rom.
Natürlich weiß er, dass er häufig Kompromisse eingehen muss, um seine
Patienten nicht zu gefährden. Jedenfalls geht es nicht „durch Auflegen
der heiligen Chirurgenhände auf das Gesicht“. Man hat leider manchmal
den Eindruck, dass einige Patienten dies intuitiv sogar erwarten. Die
Durchführung eines Facelift bedeutet große Verantwortung für den
Chirurgen. Er muss nicht nur die Hautqualität und die allgemeine
Gesundheit, sondern – ganz wichtig! – die individuelle Psyche und auch
die Erwartungshaltung seines Patienten zwingend mit einbeziehen. Es
hilft gar nichts, wenn ein Patient sein Facelifting zwar gesundheitlich,
nicht aber von Seiten seiner inneren Körperhaltung tolerieren kann.
Oder jemand, der versucht, durch Veränderung seines Gesichts die
Reaktion seiner Umwelt auf sich selbst zu verändern statt sich selbst,
wird immer unzufrieden sein. Eine Ehefrau, die versucht, durch ein
Facelift ihren „abtrünnigen Ehemann“ von seiner Geliebten
„zurückzulocken“, wird immer verlieren und daher enttäuscht sein. Das
sind Dinge, die man von einem Facelifting nicht erwarten kann und darf.
Facelifting und Hautqualität
Andererseits
kann eine Gesichtsstraffung niemals die Hautqualität verbessern. Die
Haut und die Strukturen darunter werden gestrafft, aber in ihrer
Struktur nicht verbessert. Zur Verbesserung der Hautqualität gibt es
wieder andere Behandlungstechniken wie z. B. ein
- BLUE PEEL
- Hyaluronsäure / Faltenbehandlung
- Laserbehandlung
- Eigenfett – Transplantation, Lipostructure
Gleichzeitiges Facelifting und Hautverbesserung wird zwar
manchmal durchgeführt, ist jedoch auch deutlich riskanter und daher
genau abzuwägen.
Die Planung
Es ist Aufgabe
des Plastischen und Ästhetischen Chirurgen, seiner Patientin / seinem
Patienten genau zuzuhören und die individuelle Erwartungshaltung an eine
solche Operation herauszufiltern. Danach werden übertriebene
Erwartungen manchmal notwendigerweise auf ein „vernünftiges“, machbares
Niveau abgesenkt und die individuell am besten zusagende Art des
Facelift genau und ausführlich besprochen.
Jeder Mensch sieht sein
Gesicht und das seiner Mitmenschen anders. Jeder Mensch kann nur Teile
eines Gesichts wirklich intensiv wahrnehmen, auch wenn wir alle glauben,
dasselbe Gesicht auf die gleiche Art und Weise zu sehen. Der Eine
bemerkt fast nur die Nase, der Andere nur die Augenpartie, der Dritte
folgt ausschließlich den Lippen seiner Kontaktperson und dem Vierten ist
das Gesicht „völlig egal“, wenn das Gegenüber nur schöne Hände oder
Füße hat.
Das alles muss der Plastische Chirurg aus dem Gespräch
heraus auf seinen Patienten bezogen erkennen und berücksichtigen. Nur
dann kann er gezielt die „richtige“ Operationsform auswählen.
Das Standard - Facelift
Es
gibt kein Facelifting, das immer gleich ist. Eine solche Operation muss
von einer Grundtechnik aus individuell an jeden einzelnen Patienten
angepasst werden.
Auch hat das Standard – Facelift über die
Jahrzehnte eine große Entwicklung und Weiterentwicklung durchschritten,
die maßgeblich an den Erfolgen ... und Misserfolgen ... orientiert war.
Fast jeder kennt das „Hildegard Knef – Gesicht“ und viele, die zur
Facelift – Beratung kommen, fürchten genau das. Hildegard Knef hatte als
starke Raucherin eine entsprechende Hauterschlaffung und eine
Wiederherstellung durch Gesichtsstraffung angestrebt. Die
Hautelastizität war jedoch unwiederbringlich verloren. Der Fehler, den
ihr Ästhetischer Chirurg damals begangen hatte, war vielseitig.
Einerseits hatte er offensichtlich lediglich die Haut gestrafft, nicht
aber das Gewebe darunter, das sog. SMAS. Andererseits war damals noch
nicht dasjenige Verständnis für die Alterungsvorgänge im Gesicht da, wie
wir es heute haben.
Bei der Gesichtsalterung sinken die
Gesichtsweichteile (nicht alleine die Haut!) der Schwerkraft der Erde
entsprechend vertikal nach unten (siehe LVMF / Lifting Verticale Meso –
Faciale), die Zugrichtung des Facelift erfolgte jedoch nach hinten, um
die Narbe „hinter den Ohren“ zu verstecken. Hierdurch muss zwangsläufig
ein unnatürliches Aussehen die Folge sein, eben das “Knef – Gesicht“.
Die
modernen Facelift – Techniken berücksichtigen die natürlichen
Alterungsvorgänge des Gesichts und liften weniger horizontal nach
hinten, sondern bestmöglich vertikal nach oben. Dadurch entsteht ein
viel natürlicherer, postoperativer Gesichtsausdruck.
Eine von mir
geliftete ärztliche Kollegin mit einem ordentlichen Sonnenschaden ihrer
Gesichtshaut (leidenschaftliche Cabrio – Fahrerin) hatte es einmal auf
den Punkt gebracht: „Niemand hat wirklich postoperativ etwas bemerkt.
Alle haben nur gesagt, dass ich so erholt aussehe und gefragt, wo ich in
Urlaub war“. Ein besseres Lob kann ein Ästhetischer Chirurg nicht von
seiner Patientin bekommen.
Die OP - Technik
Beim
Facelift wird also die Haut in unterschiedlich großem Umfang von den
darunter gelegenen Gesichtsstrukturen operativ getrennt und entsprechend
angespannt. Zu starker Zug führt zu Durchblutungsstörungen dieses
Hautlappens (siehe "Die Misere des Ästhetischen Chirurgen beim
Facelifting für Raucher"), andererseits weiß man heute, dass der Zug an
der Haut alleine nicht zu ausreichend guten, natürlichen Ergebnissen
führen kann, auch wenn der Laie das so meinen möchte.
Daher wird diese OP-Technik durch das sog. SMAS-Lift ergänzt.
Die Narbenführung
Die
Narben des Standard - Facelifting verlaufen in den meisten Fällen vor
dem Ohr, entweder teilweise in den äußeren Ohrkanal hinein (ein
exzellentes Versteck) und entweder genau vor der Schläfenbehaarung in
Richtung Stirn oder in die Schläfenbehaarung hinein. Vor dem Ohr zieht
die Narbe um das Ohrläppchen herum hinter das Ohr und von dort aus
entweder am unteren Rand der Kopfbehaarung nach hinten oder in die
untere Kopfbehaarung hinein.
Insgesamt werden die Narben bei schonender Operationstechnik im
Allgemeinen sehr fein und sind auch für den Fachmann nach gewisser Zeit
oft nicht mehr oder fast nicht mehr sichtbar. Regelmäßig stören sie die
operierte Person bei fachgerechter Durchführung eher nicht. Wichtig ist
nur, dass durch die OP – Technik nicht der Haaransatz zu weit nach
hinten verschoben oder das Ohrläppchen durch den Narbenzug nicht grotesk
verzogen wird.
Als Folge des Standard – Facelift (auch des SMAS –
Lift) kommt es naturgemäß regelmäßig zu einem Taubheitsgefühl der
Wangenregion, das sich mit der Zeit immer weiter zurückbildet, bis am
Ende eine eher kleine, „taube“ Insel vor dem Ohr zurückbleibt. Ich kenne
keinen meiner Patienten, der sich abschließend darüber beklagt hätte.
Meist wird es gar nicht mehr bemerkt.
Das SMAS – Lift (Sub – Muscular Aponeurotic System)
Nachdem
man unter den Ästhetischen Chirurgen festgestellt hatte, dass die
alleinige Hautstraffung des Gesichts nicht wirklich zum erwünschten
Erfolg führt, wurde nach neuen, besseren Techniken gesucht. Man fand sie
mit dem SMAS – Lift. Das SMAS beschreibt ein regelmäßig vorhandenes,
sehniges System zwischen Unterhaut – Fettgewebe und Gesichtsmuskulatur,
das Zugkräfte sehr gut toleriert, ohne das Gesicht hierdurch zu
entstellen. Es kann technisch in verschiedene Richtungen geführt werden,
auch vertikal nach oben. Dadurch lassen sich die Gesichtsweichteile oft
sehr gut in die jugendliche Ursprungsposition zurückführen und dort
fixieren. Üblicherweise erfolgt dies mit hochwertigem, bleibendem,
permanentem Fadenmaterial, das sich nicht auflösen darf, damit die
Gesichtsweichteile nicht wieder in die gealterte Position zurücksinken,
bevor sie in ihrer neuen, „jüngeren“ Position sicher angewachsen sind.
Die bleibenden Fäden sind nicht spürbar.
Kleiner Nachteil beim SMAS –
Lifting ist, dass man zwecks Mobilisierung und Verschiebung dieser
Sehnenstruktur ihre Trennung vom darunter befindlichen, motorischen
Nervensystem bewirken muss. Die motorischen Gesichtsnerven, die unsere
Gesichtsmimik auslösen, verlaufen gut geschützt unter dem SMAS von ihrem
Durchtrittspunkt unter der Ohrspeicheldrüse nach vorne in Richtung
Wange und Mund. Dort müssen sie im Rahmen des operativen Vorgehens
gesehen und bestmöglich geschützt werden. Daher empfiehlt sich solch
eine SMAS – Operation immer unter Zuhilfenahme einer OP –
Lupenvergrößerung.
Ein erfahrener Chirurg wird diese Nervenverläufe
bestens kennen und respektieren, so dass er das Risiko auf
geringstmöglichem Niveau hält. Eine Verletzung dieser Nerven kann zu
vorübergehender, schlimmstenfalls dauerhafter Teillähmung einzelner
Gesichtsmuskeln führen und damit auch den mimischen Ausdruck des
Gesichts ungewollt verändern.
Trotz dieses theoretischen Risikos ist
das SMAS – Lifting in den Händen eines erfahrenen Ästhetischen
Chirurgen eine relativ risikoarme Operation.
Die Durchführung des
SMAS – Lift empfiehlt sich in Allgemeinnarkose (sog. „Vollnarkose“), um
nicht durch plötzliche, unbeabsichtigte Bewegungen des Patienten während
seiner OP die Nervenstrukturen zu gefährden.
Das „Neue Facelift“ (LVMF = Lifting Verticale Meso – Faciale)
Dieses
relativ neue Operationsverfahren im Rahmen der Ästhetischen
Gesichtsverjüngung basiert auf der - ebenfalls neueren – Erkenntnis,
dass die Alterung des Gesichts nicht in horizontaler, sondern vorwiegend
in vertikaler Richtung stattfindet. Insofern ist es nur konsequent, die
Gesichtsstraffung in rein vertikaler Richtung durchzuführen. Dies
erfolgt in Allgemeinnarkose (sog. „Vollnarkose“). Die
Operationsergebnisse sind verblüffend natürlich und ausgesprochen
narbenarm.
Weitere Informationen
Das Mittelgesichts – Lifting über die Augenlidstraffung
Obwohl
das sehr effektive „neue Facelift“ zu exzellenten Resultaten führen
kann, musste ich gleichzeitig feststellen, dass hierdurch trotz des
Unterlid – Randschnittes nicht alle besonders hohen Anforderungen an die
Unterlidstraffung in vollem Ausmaß erfüllt werden können. Daher habe
ich dieses Verfahren im Umfang einerseits reduziert, andererseits mit
den modernsten Techniken der Unterlidstraffung kombiniert. Die
Ergebnisse waren auch für mich verblüffend gut und äußerst natürlich.
Abgesehen von der bei dieser OP – Technik länger bestehenden,
natürlichen Schwellneigung der Augenlider, die sich – bei jedem
einzelnen Patienten oft sehr unterschiedlich - hauptsächlich in den
ersten 2-3 Wochen nach der OP auswirkt, lassen sich mit großer
Regelmäßigkeit recht gute Ergebnisse mit sehr zufriedenen Patientinnen
und Patienten erzielen. Der Liftingeffekt kann sich bis zur
Nasolabialfalte (Nasen – Lippen – Falte) erstrecken (Abflachung der
Nasolabialfalte durch das Mittelgesichts – Lifting). Die Narben sind
nach einiger Zeit nicht mehr erkennbar. Die Kombination mit einer
Oberlidstraffung empfiehlt sich meistens.
Siehe auch: Augenlidkorrektur
/ Die Unterlidstraffung mit Orbicularis – Muskellifting und Ausbreitung
der Fettpolster im Mittelgesicht (Stufe 4)
Das Minilift
Das Minilift ist eine Art
„Verkaufsschlager“. Diese Wort - Kreation signalisiert der
Interessentin, dass durch eine „kleinere“ Gesichtsstraffung auch ein
ausreichender Liftingeffekt erreicht werden kann. Die Narbenverläufe
sind hierbei oft genauso weit wie bei einem großen Facelift. Der Nutzen
ist umgekehrt sehr gering bis fast nicht vorhanden. Etwa so, als zöge
man seine Socken eben nur zur Hälfte an. Was soll das ...?
Eine
meiner Patientinnen, die an anderer Stelle solch ein „Minilift“ erhalten
hatte, brachte es genau auf den Punkt: „Mein Minilift hat genauso lang
gehalten, wie die postoperative Schwellung da war. Danach war alles
wieder beim Alten“.
Dies ist der Hauptgrund, warum ich ein Minilift nicht empfehle.
Das S - Lift
Das
S – Lift ist mehr oder weniger eine Form des Minilift und kann daher
von mir ebenfalls nicht als dauerhaft wirksames Facelifting empfohlen
werden. Die Standard - Narbenführung ist hierbei „s – förmig“
abgeändert. Letztlich wurde hierbei wieder „etwas neues, Interessantes“
kreiert, um für eine gewisse Zeit einen „Verkaufsschlager“ unter die
Leute zu bringen.