Entfernung von Hautkrebs
Erkrankungen im Gesicht durch Sonneneinstrahlung
Der Sommer ist fast vorbei und der alljährliche Sonnenbrand
überwunden und abgeklungen. Der Mallorca – Urlaub war entspannend,
erholsam und auch die Strandbräune hält noch gut an. Es war ja auch
mühsam genug, stundenlang und schwitzend sich die Sonne auf die Haut
brennen zu lassen und ein paar Sonnenbrände zu überstehen, nur um
„gesund und braungebrannt“ nach Hause zu kommen und sich in modischer,
heller Kleidung von allen bewundern zu lassen, wie toll und sonnig
dieser Strandurlaub wieder einmal gewesen sein muss. So war das auch
schon im Vorjahr beim Türkei – Urlaub und davor in Tunesien.
Klar
will man die Bräune behalten und befleißigt sich weiterhin regelmäßiger
Solarium – Besuche: „Schick braun aussehen“ ist nach wie vor „en vogue“
und schließlich will man ja „gut aussehen“ …
Halt! Falsch
verstanden! „Gesund aussehen“ ist hier krank, und „schick braun“ ist
unter Umständen lebensgefährlich! Schon mal gehört? Hautkrebs durch
Sonne? Sogar die Bundesregierung höchstpersönlich beabsichtigt jetzt
gerade per Gesetzentwurf, Solariumbesuche für Jugendliche unter 18
Jahren zu untersagen. Denn es ist klipp und klar bekannt: Die Haut hat
ein Gedächtnis! Jeder einzelne Sonnenbrand, sogar jeder Sonnenstrahl
wird in der Haut gespeichert wie auf der Festplatte eines Computers.
Und genau so wie ein Computer bei „Überladung“, d. h. bei vollem
Speicherplatz und weiterer Belastung abstürzt, so geschieht das auch in
unserer Haut. Die natürlichen Reparatur – Mechanismen schaffen es nicht
mehr, alle Probleme zu beheben und der Hautkrebs kann entstehen.
Gnadenlos.
Es gibt natürlich verschiedene Arten von Hautkrebs.
Nicht nur der gefährlichste von allen, der „Schwarze Hautkrebs“
(Melanom), der schon bei Jugendlichen und teilweise Kindern auftreten
kann ist gemeint. Viel häufiger ist das Basaliom, ein „gutartiger und
zugleich bösartiger Hautkrebs“. Gutartig ist seine Eigenschaft, keine
Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Körper loszuschicken, er bleibt
also am Entstehungsort. Bösartig ist jedoch seine typische Eigenschaft,
die er mit allen anderen Krebserkrankungen gemein hat: Er wächst
zerstörend ohne Rücksicht auf anatomische Grenzen in den Körper hinein,
wenn man ihn lässt. Am Anfang langsam, dann immer schneller. Ab einer
gewissen Größe zerfällt er geschwürig und befällt auch tiefe
Gewebeschichten.
In meinem Studium zu Beginn der 80er Jahre gab
es eine typische Prüfungsfrage, das Basaliom betreffend. Die korrekte
Antwort lautete: Das Basaliom ist eine typische Hautkrebs - Erkrankung
des Landwirts über 65 Jahre an den der Sonne ausgesetzten Körperstellen
(Gesicht, Hals, Unterarme und Hände).
Diese Antwort wäre heute
nicht mehr korrekt. Denn durch die zunehmende Zerstörung unser
atmosphärischen Ozon – Schutzschicht („Ozonloch“) sind wir alle
vermehrter, aggressiver Sonnenstrahlung ausgesetzt. Es ist schon keine
Seltenheit mehr, dass unter 30-jährige mit Basaliomen im Gesicht zur
operativen Behandlung vorstellig werden. Typischer Weise entstehen die
bösartigen Geschwülste an vorspringenden Stellen des Gesichts, wo die
Sonnenbestrahlung am direktesten auftrifft, vorwiegend der Nase,
Lidbereich, Ohren und Brauen.
Was kann der Plastische Chirurg gegen Basaliome tun?
Zuerst
einmal warnen, sich übermäßiger Sonnenstrahlung auszusetzen. Denn es
ist so wie beim Rauchen: Man geht davon aus, dass es immer die anderen
trifft, bis man selbst an der Reihe ist…
Wenn dann
beispielsweise die Nasenspitze betroffen ist, trifft der Schock tief.
Denn die einzige Möglichkeit, Basaliome zu behandeln, so dass sie nicht
wieder auftreten, ist das radikale Ausschneiden. Gerade an „delikaten“
Stellen im Gesicht, wie z.B. auf der Nase, geht es um jeden halben
Millimeter, denn es ist kein bisschen Haut zu viel vorhanden.
Andererseits ist es viel schlimmer, wenn solch eine Geschwulst
wiederkommt, weil sie – aus falschem Respekt vor einer „schwierigen“
Gesichtsregion - nicht radikal genug entfernt worden war. Dann sind die
Defekte oft viel größer.
Die Plastische Chirurgie mit ihrem
rekonstruktiven (wiederherstellenden) Berufszweig engagiert sich hier
intensiv und findet die richtige Antwort. Selbstverständlich ist das
beste Ergebnis nur erreichbar durch konsequente Zusammenarbeit mit
aufmerksamen Hautärzten, die solche Geschwülste meist frühzeitig
entdecken, diagnostizieren und nach den Operationen wieder wachsam
kontrollieren.
Das operative Vorgehen in der Plastischen Chirurgie
Ist
eine Hautgeschwulst noch nicht gesichert, entnimmt sehr häufig der
Hautarzt eine Probe, die feingeweblich unter dem Mikroskop untersucht
wird. Danach entscheidet der Hautarzt oft selbst, ob er durch weiteres
Ausschneiden die Geschwulst sicher entfernen kann oder ob er seinen
Patienten weiter zur ausgedehnteren Behandlung zum Plastischen
Chirurgen schickt. Dies kann insbesondere an schwierigen Stellen des
Gesichts, wie z.B. der Nasenspitze, erforderlich sein.
Die erste
Arbeit für den Plastischen Chirurgen ist fast immer eine ausführliche,
weitere Beratung, denn das weiträumige Entfernen eines Teils des
Gesichts kann Folgen haben und zu auffälligen Narben führen. Ziel ist
jedoch die vollständige, unauffällige Wiederherstellung ohne
entstellende Folgen und ohne Wiederauftreten (Rezidiv) der Geschwulst.
Dazu
wird der Krebs im sichtbaren Bereich mit einem Sicherheitsabstand
entfernt. Beabsichtigt ist die allseitige Entfernung im Gesunden mit 3
mm Sicherheitsabstand nach allen Seiten und zur Tiefe, bei besonders
gefährlichen Krebstypen sogar 5 mm.
Stellt man sich nun einen 4
mm großen Hautkrebs im mit dem Auge sichtbaren Bereich vor, der nach
allen Seiten mit 3 mm Sicherheitsabstand entfernt werden muss, so
entsteht zwangsläufig ein „Loch“ mit einem Durchmesser von mindestens
10 mm! Das kann den Verlust der gesamten Nasenspitze bedeuten.
Zwischenzeitlich wird der Entnahmedefekt kurzfristig mit einer
Kunsthaut abgedeckt, um Infektionen vorzubeugen.
An der
radikalen Entfernung führt also kein Weg vorbei. Das entfernte
Gewebestück wird unter dem Mikroskop feingeweblich (histologisch)
untersucht, die Entfernungsabstände des Krebses zum Schnittrand nach
allen Seiten unter dem Mikroskop in halben Millimeterschritten
ausgemessen (sog. histomorphometrische Untersuchung) und das Ergebnis
vom Pathologen an den Operateur mitgeteilt. Ist der geforderte
Mindestabstand nicht erreicht, muss in entsprechendem Maße
nachgeschnitten werden.
Gelang die Entfernung der Geschwulst,
kann an die Defektdeckung gedacht werden. Dem Plastischen Chirurgen
steht nun aufgrund seiner speziellen Ausbildung ein ganzes Sammelsurium
an verschiedenen Techniken zur Gewebeverschiebung im Gesicht zur
Verfügung, um entstellende Folgen zu vermeiden. Diese
Gewebeverschiebungen nennt man „Lappenplastiken“, abgeleitet von „Haut-
bzw.- Gewebelappen“. Hierbei werden oft zunächst Narben in Kauf
genommen, die durch korrekte OP – Planung und entsprechende
Nachbehandlung üblicherweise sehr unauffällig ausheilen, so dass man
nach einiger Zeit oft sehr genau hinschauen muss, um die
Operationsfolgen erkennen zu können.
Was geschieht nach der Operation?
Die optimale
Nachbehandlung ist sehr wichtig und auch etwas mühsam, lohnt sich
jedoch. Der Plastische Chirurg hat meist „noch ein paar Asse im Ärmel“,
um das Optimum einer Narbenbildung herauszuholen, sofern der Patient
geduldig ist und mitmacht.
Nach Abschluss der Behandlung beim
Plastischen Chirurgen geht der Patient zurück zum Hautarzt, um sich
hier einer gründlichen fachärztlichen Überwachung zu unterziehen. Denn
wo einmal ein Hautkrebs entstanden ist, kann auch ein zweiter
entstehen. Der Hautschaden ist nun einmal da. Für immer.
Die Haut hat ein Gedächtnis …!